7. bis 9. Oktober 09
Mit dem Auto: Salzburg - Oberdrauburg
Zu Fuß: Oberdrauburg - Dölsach
Lavant (Übernachtung)
Mit dem Bus: Debant - Winklern
Zu Fuß: Winklern - Zwischenbergen - Zwischenberger Sattel - Dölsach ( Übernachtung)
Heute also, am 11. Oktober 09, sitze ich wieder am PC um die letzte Etappe meines Camino zu reflektieren und die Erinnerungen aufzuschreiben.
Am 7. Oktober bin ich mittags aufgebrochen, ziemlich spontan, weil für die Folgewoche Schlechtwettereinbruch vorhergesagt war und ich unverhofft etwas Zeit fand. Ziel: meinen Pilgerweg zwischen Winklern im Mölltal über den Iselsberg nach Oberdrauburg zu erkunden und zu begehen.
Und wieder einmal hab ich keine eindeutige Richtung eingeschlagen: Von Oberdrauburg zu Fuß entlang der Drau auf einem markierten Jakobsweg nach Dölsach, von Dölsach mit dem Zug retour nach Oberdrauburg, mit dem Auto nach Lavant (Übernachtung), am Morgen auf den Lavanter Kirchberg, dann mit dem Auto nach Lienz und Debant, mit dem Bus nach Winklern, zu Fuß über Zwischenbergen und den Zwischenberger Sattel nach Dölsach, dort wieder übernachtet, am nächsten Morgen zum Auto und wieder heim…Wer sich bei dieser Wegbeschreibung nicht mehr auskennt, muss einfach auf einer Karte nachschauen. Jedenfalls war es sehr sehr schön!
An der Drau entlang ist der Weg nicht nur für Radfahrer sehr angenehm, sondern auch für Fußgänger! Es ist nicht durchgehend asfaltiert und wo Asfalt ist, gibt es daneben einen schmalen Grünstreifen, auf den Fußgänger gut ausweichen können. Leider gibt es einen bergseitig führenden Wegteil, der an einer der Brücken seit kürzerer Zeit gesperrt ist, obwohl der Weg noch sichtbar und recht schön ist. Man wird deutlich ans andere und nicht ganz so schöne Ufer der Drau hinübergeleitet und hat wieder einmal den Eindruck, dass ein lang begangener Wanderweg nicht mehr benützt werden soll, weil die Grundbesitzer, aus welchen Gründen immer, den Durchgang nicht mehr wollen.
Nahe Lavant kann man über eine Brücke wieder zurück auf das bergnahe Ufer, kommt da allerdings in die Nähe eines Schotterwerkes, das in den Betriebszeiten ziemlich viel Staub produzieren dürfte. Hier ist also klug, vorerst noch auf der anderen Seite der Drau an den Bahngeleisen zu bleiben. Die Bahn stört die Beschaulichkeit selten, mehr Lärm dagegen gibt es durch einen kleinen Flugplatz in der Nähe, durch die Hauptstraße und momtentan auch durch schwere Baumaschinen.
Der Weg entlang der Drau jedenfalls ist zwischen Oberdrauburg und Dölsach trotz der erwähnten Einschränkungen insgesamt weitgehend sehr aufmerksam gestaltet und den Verantwortlichen ist zu danken!
Lavant ist ein ganz besonderer Ort, auf der Bergseite des Drautales nahe der Ausgrabungen der historischen Stadt Aguntum gelegen. Die Kirchen auf dem Berg sieht man weithin. Ein Abstecher in den Ort und eine kleine Pilger-Wanderung auf den seit prähistorischen Zeiten besiedelten Kirchberg ist ein Erlebnis!
Hier in Lavant und überhaupt hab ich in diesen drei kurzen Tagen so schöne Begegnungen gehabt – jede für sich ein Geschenk und eine eigene Geschichte! Danke, liebe Bauersfrau und Herr Pfarrer in Lavant! Danke liebe Seppenbäurin in Zwischenbergen für Kaffee und Kuchen, so ganz unverhofft! Danke liebe Wirtsleute vom Tirolerwirt in Dölsach für das gute Essen und liebe Schweizer Kollegin für die freundliche Gesellschaft und die guten Gespräche!
Mit dem Bus bin ich am nächsten Tag von Debant bis etwa eine Kehre oberhalb des Ortes Winklern gefahren. Eigentlich wollte ich von dort nicht den weitesten Weg zurück wählen, aber ......offenbar wollte der längste Weg mich.... Dafür war ich lange Zeit wirklich allein in Wald und Flur bis ich endlich zu zwei, weit über dem Mölltal gelegenen bewohnten Bauernhöfen in Zwischenbergen kam. Dort konnte ich mich wegen des Weges vergewissern und mich stärken, denn der Weg zog sich doch ziemlich!
Wie schon so oft auf meinen Wanderungen gab es aber auch hier, wie das Amen im Gebet, direkt auf dem Zwischenberger Sattel noch eine ziemliche Markierungsverwirrung. Zunächst ausgezeichnet markiert, erreichte der Weg oben am Sattel ein Gatter, das den Durchgang ganz unübersehbar nicht gestattete. Würde man dem Verbot folgen, müsste man hinauf Richtung Ederplan und Anna-Schutzhütte aufsteigen, obwohl die Fortsetzung des Weges auf der anderen Seite des Gatters offensichtlich ist. Also ging ich doch durch das Gatter, kam gleich dahinter auf einen Waldlehrpfad bei der Zwischenberger Lacke und konnte den geplanten, gut markierten und sehr schönen Weg ungehindert fortsetzen.
Ich frage mich immer wieder, welche schlechten Erfahrungen die Grundbesitzer mit den Wanderern wohl machen….
Vom Zwischenberger Sattel aus hätte eine lange und kurvenreiche Forststraße bis hinunter ins Tal geführt, aber ich habe den, auf der Karte eingetragenen Eggerweg gefunden und bin diesem steileren und natürlicheren Weg gefolgt. Es war einer der schönsten, die ich bisher gewandert bin und ich habe herrliche Ausblicke, wunderschöne Almmatten, alte Hütten und vor allem offene Durchgänge gefunden! Danke an die Grundbesitzer!
Weiter unten trifft man dann wieder auf eine Forststraße und hier hat mich ein Bauer auf den Traktor aufsitzen lassen – hinten auf einer Baggerschaufel, in der schon Oma und Enkelkind Platz gefunden hatten. Das war zwar eine noch immer ziemlich lange und holprige Fahrt, bis mich die freundlichen Leute bei der Kirche St. Georg in Dölsach aussteigen ließen, aber es hat mir wohl getan nach dem langen „Hatscher“.
Beim Tirolerwirt in Dölsach bin ich zufällig wegen Durst und Hunger eingefallen. Und weil es mir so gut gefiel, bin ich auch gleich über Nacht geblieben. Das Essen war so gut wie die Gespräche mit den Wirtsleuten und einer Schweizerin, die, so wie ich, ebenfalls allein unterwegs war. Auch bei einem Wirt kann man Pilger-Achtsamkeit, Nachdenklichkeit, Spiritualität begegnen….Wir haben sinniert über Franz v. Assisi und Nikolaus von der Flühe und was sie uns heilig, ihre Mitmenschen fördernd und gegensätzlich zugleich erscheinen lassen. Und wir waren den Menschen dankbar, die mitgewirkt hatten, dass wir eine so feine Mahlzeit und ein so schönes Haus genießen durften.
Die Genussfreude wäre vielleicht nicht so ganz im Sinn des „Poverello“ gewesen, aber die Wertschätzung und Achtsamkeit, das Sein im Hier und Jetzt, das hat uns vielleicht doch in seine Nähe geführt
Am nächsten Morgen spazierte die Schweizer Kollegin nach Aguntum und ich ging hinüber nach Debant und fuhr mit dem Auto nach Salzburg zurück.
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