Unsere Diplomreise – ein Pilgerweg nach Assisi
Plöckenpass, Zuglio, Peonis, Pinzano, Barbiano, Pordenone, Gorgo, Ponte di Piave, Venedig, Rosolino, Porto Viro, Mesola, Lido Estensi, Punta Marina, Milano Marittima, Torre Pedera, Rimini, Markiano, Monte Fabbri, Urbino, Smirra, Cagli, Gubbio, Casa Castalda, Assisi
Am Anfang waren da zwei mit zwei Bedürfnissen: den Einen zog es schon immer nach Assisi, der andere wollte sich einmal so richtig „auf den Weg machen“. Die Beiden trafen sich im „Seminar für Kirchliche Berufe“ in Wien. Und schon sehr bald formte sich eine gemeinsame Idee …
Lange wurde nur geträumt, doch bald war die Zeit bis zum Abschluss der Ausbildung vergangen – es nahm immer konkretere Formen an. Ausrüstung wurde überlegt und besorgt, die extragenaue Karte wurde bis auf die kleinsten „Nester“ studiert, Erfahrungen wurden eingeholt und der Körper ein wenig an die Strapazen heran geführt. Das alles neben den Vorbereitungen zu den Diplomprüfungen und den Feierlichkeiten.
Als alle ausbildungsmäßigen … abschlussmäßigen … übersiedelungsmäßigen Dinge erste einmal überstanden waren, sollte es los gehen. Wir trafen uns bei Hannes in der Steiermark, packten noch gemeinsam die Rucksäcke, ließen das eine oder andere unnötige Dings noch zurück und fuhren zur letzten Schlafstätte in Kärnten. Von dort aus ging es um 2:30 Uhr früh zur Startposition am Grenzübergang Plöckenpass. Ein letztes gemeinsames Frühstück mit Bernhard und Antonia, Abschied und den Segen Gottes mit auf den Weg.
Es ist genau 6:00 Uhr, der Tag ist noch kühl. Wir gehen los. Gedanken laufen durch den Kopf … vier Wochen gehen … nur wir vier … auf engsten Raum im Zelt … eine Frau und drei Männer … jeder trägt seine Geschichte mit … irgendwo, mitten im Wald an der Grenze nach Italien – unbeachtet von der ganzen Welt – gehen vier Mensch los … mit dem Ziel Assisi, das für jeden etwas anderes bedeutet.
Der Alltag hört sich etwas anders an: zwischen 10 und 16 Kilo Gepäck, jeden Tag um ca. 4: 15 Uhr (noch ein paar Minuten :-) aufstehen, zusammen räumen, Zelt abbauen, waschen, ein wenig Wasser und Brot zur Stärkung und los geht’s (5:00 Uhr). Bis ungefähr halb acht, das erste Ziel des Morgens ist mit dem Frühstück (einem Cappuccino und Cornetto) erreicht.
Eine sehr stille Zeit. Der Morgen erwacht mit jedem Sonnenstrahl mehr und mehr … eine leichte Priese hat den Morgentau längst weggetrocknet … es ist angenehme kühl gegenüber der Hitze, die uns noch erwartet … unterschiedliche Morgenrhythmen treffen aufeinander … geben sich Freiraum … langsam formen sich aus den vielen Gedanken einzelne Worte … die Sonne steigt auf und wärmt uns … bis ganz hinein.
Im Laufe des Vormittags ergeben sich die Pausen ganz nach Örtlichkeit und Kraft. Ziel ist: bis halb zwölf muss für Mittag eingekauft sein. Zwischen 15 und 20 Kilometer sind wieder einmal geschafft.
Ausgetrocknete Flussbetten… wunderschöne kleine Dörfer … staubige Landstraßen … am Gebirge entlang … Pinienwälder und Monokulturen … Plantagen … Eine Zeit der Gespräche, der Späße und des Lachens … eine Zeit der Auseinander-Setzung und des Zusammen-Setzens … wie geht’s dir mit deinen Füßen … was ist mit deinem Knie … drückt der Rucksack … endlose Straßen – oft schurgerade Kilometer, die Karte im Auge … Wasser … immer wieder hilfsbereite Einheimische … die vielen Hunde in den Gärten … überall am Wegrand kleine Eidechsen … und dann rasten, essen und ein wenig schlafen, während die ärgste Hitze über das Land zieht – Santa Siesta.
Es ist halb drei – drei Uhr. Hoffentlich hielt der Schatten bis dahin. Ein wenig zusammen packen und die Nase wieder in den Wind. Noch zwei, drei Stunden bis zum Lagerplatz für die Nacht. Einmal ein Campingplatz, dann wieder einfach in der Pampa, wieder einmal bei den freundlichen Cappuccinis. Manchmal gönnen wir uns ein Abendessen in einer Pizzeria
Aah, wider mal eine Dusche … Kleider waschen und aufhängen … gemeinsam Essen richten … Zelt aufstellen … Vorbereitungen für den nächsten Morgen … Gelsen … Reden … Tagebuch … Sonnenuntergang … Dank sagen und loben, den, der uns begleitet, mit seiner Fürsorge, seiner Kraft und seinen vielen Menschen.
… und trotzdem erkannten wir uns neu!
Wir kannten uns, wie sich Menschen nur selten kennen
Wir wussten voneinander, was nur die Engsten ahnen
Wir teilten miteinander, was „die Leute“ gar nicht haben
… und trotzdem erkannten wir uns neu!
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