Bernhardiweg im Waldviertel

Bernhardiweg im Waldviertel

in sechs Etappen

Markus Peham

Als Rundweg von knapp 125 Kilometern führt der Bernhardiweg im Waldviertel ausgehend vom Stift Zwettl durch zehn Stiftspfarren. Er lädt dazu ein, die Waldviertler Landschaft mit neuen Augen zu sehen und durch das einfache Gehen Schritt für Schritt wieder mit sich selbst in Berührung zu kommen. Die Inspiration dazu stammt bereits aus dem 12. Jahrhundert: Der heilige Bernhard von Clairvaux erinnerte seinen ehemaligen Schüler, inzwischen Papst Eugen III., inmitten erdrückender Pflichten daran, sich selbst nicht zu verlieren: „Wenn also alle Menschen ein Recht auf dich haben, dann sei auch du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat. Warum solltest einzig du selbst nichts von dir haben? Wie lange noch schenkst du allen anderen deine Aufmerksamkeit, nur nicht dir selber? Bist du dir etwa selbst ein Fremder? Bist du nicht jedem fremd, wenn du dir selber fremd bist? Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wie kann der gut sein? Denke also daran: Gönne dich dir selbst.“ 

 

Darin liegt die zentrale und zeitlose Botschaft des Bernhardiwegs: Auch heute fordert Bernhard von Clairvaux dazu auf, sich trotz äußerer Verpflichtungen Zeit für sich selbst zu nehmen. Der Bernhardiweg befreit von äußeren Ablenkungen und schafft Raum für die innere Einkehr, um die Balance zwischen Außen und Innen wiederzufinden.

 

Zehn Stationen strukturieren dabei den Bernhardiweg spirituell und übersetzen Lebenserfahrungen großer Persönlichkeiten in Impulse für das eigene Leben: Der Weg beginnt mit dem Rückzug in die „Oase der Stille“ bei der Bernhardoase. Inspiriert durch den heiligen Bernhard von Clairvaux lädt dieser Ort zum Stillwerden ein, um Gottes Stimme wahrzunehmen und Klarheit und Tiefe zu finden. Innerlich gesammelt sensibilisiert die zweite Station, der „Garten der Schöpfung“ beim Thayaursprung, für die Wertschätzung und Bewahrung der Natur, getragen von der Spiritualität der heiligen Franz und Klara von Assisi. Auf dem „Pfad der Umkehr“ beim Jahrtausendlebensturm lenkt die heilige Maria Magdalena als symbolträchtige Figur des Neuen Testaments bei der dritten Station das Augenmerk auf persönliche Wendepunkte: Sie ermuntert zur Reflexion über das eigene Leben und schenkt Mut zu Transformation und Neuanfang. Der „Wald der Weisheit“ beim Hausschachenteich leitet mit der heiligen Katharina von Siena bei der vierten Station anschließend dazu an, Wissen und Weisheit zu suchen und zu reflektieren. An der fünften Station, dem „Gipfel der Visionen“ beim Johannesberg, weitet sich die Perspektive und zeigt am höchsten Punkt des Pilgerwegs, wie Visionen die Welt verändern können – dafür steht die heilige Mutter Teresa als Ikone eines humanitären Dienstes an den Nächsten. Die sechste Station bei der Friedenskapelle, das „Haus des Friedens“, bietet mit Blick auf Robert Schuman und seinem Beitrag zur Friedensförderung in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg die Gelegenheit, den inneren wie den äußeren Frieden zu erforschen und dabei die Bedeutung von langfristigem Engagement für den Frieden zu erkennen. Das „Herz der Gemeinschaft“ bei der Kapelle zur heiligen Corona als siebte Station reflektiert mit Bezug zum heiligen Carlo Acutis dabei die Bedeutung von Gemeinschaft, Solidarität und menschlicher Verbundenheit, gerade in Zeiten der Digitalisierung. Dass diese Verbundenheit auch Rückgrat erfordert, zeigt der „Kreuzweg der Entscheidungen“ bei der Kirche Schloss Rosenau als achte Station, die sich den Seligen Franz Jägerstätter und Schwester Restituta zuwendet: Beide stellten mutig ihren Glauben und ihre Überzeugungen über die persönliche Sicherheit und das eigene Leben. Die neunte Station bei der Gschwendtmühle mündet schließlich in den „Fluss des Lebens“: Der heilige Christophorus als Schutzpatron der Reisenden symbolisiert hier Schutz und Begleitung auf dieser Pilgerreise sowie auf dem Lebensweg. Die zehnte und letzte Station bei der Bründlkirche lädt mit der heiligen Bernadette Soubirous dazu ein, über die „Quelle der Hoffnung“ im eigenen Leben nachzudenken und wie diese als bleibender Schatz im Alltag gepflegt werden kann. 

 

Der Bernhardiweg im Waldviertel lässt sich flexibel planen: Der Einstieg in den Rundweg ist ebenso frei wählbar wie die konkrete Gestaltung der Etappen in Anzahl und Länge – je nachdem, wie viel Zeit man sich für den Weg gönnen möchte.

Bernhardiweg im Waldviertel

Der Weg erstreckt sich über 124.5 Kilometer und dauert in der Regel 31:50 Stunden.
Er führt durch folgende Bundesländer: Niederösterreich.

Pilgerbegleiter:innen Bernhardiweg im Waldviertel

Sabina Haslinger

Sabina Haslinger

Mein Zugang zum Pilgern: Ich begleite und führe Menschen in die Berge, beim Pilgern kommt auch...
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