Der Weg des Buches führt als „Weg des Wortes“ durch Österreich und lädt dazu ein, Pilgern neu – nämlich evangelisch – zu denken. Auf rund 705 Kilometern in 35 Etappen verläuft die Zentralroute des evangelischen Pilgerwegs von Ortenburg an der deutsch-österreichischen Grenze über das Salzkammergut, den Dachstein und die Nockberge nach Agoritschach nahe des Dreiländerecks Österreich-Italien-Slowenien. Der Weg des Buches folgt dabei den geheimen Routen der Bücherschmugglerinnen und Bücherschmuggler während des Geheimprotestantismus in der Zeit der Gegenreformation. Unter Lebensgefahr brachten diese die verbotene Luther-Bibel als „Buch der Bücher“, aber auch Gebet- und Gesangbücher auf abenteuerlichen Wegen vom niederbayerischen Ortenburg quer durch Österreich in die entlegensten Bergdörfer. Der Weg des Buches ist damit auch eine „Rebellionsstrecke“ des Glaubens. Denn die Bibel selbst zu lesen war durch die von Martin Luther verfasste deutsche Übersetzung revolutionär. Oft lernten Menschen erst dadurch lesen – sehr zum Missfallen der katholischen Obrigkeit wurden in der Folge viele Menschen evangelisch und standen darum schon bald vor der Entscheidung „Glaube oder Heimat?“. Wer in Österreich nicht wieder katholisch werden wollte, wurde zur Emigration gezwungen oder musste seinen Glauben fortan im Geheimen leben. 

 

Zentrale spirituelle Ankerpunkte des Wegs sind die schlicht gehaltenen Toleranzbethäuser und historischen Geheimschulen, angesichts deren Konzentration auf das Wesentliche der Weg des Buches dazu einlädt, das innere Buch aufzuschlagen und darüber nachzudenken: „Was trägt mich? Und wofür brenne ich?“ Gleichzeitig inspirieren diese Zeugnisse unnachgiebiger Hoffnung dazu, über die Bedeutung von religiöser Freiheit und persönlicher Überzeugung nachzudenken. Entlang des Weges erinnern darüber hinaus Museen, Kapellen und historisch bedeutsame Orte an das Leben von Protestantinnen und Protestanten, die im Geheimen Gottesdienste feierten, zum Beispiel in Felshöhlen, auf versteckten Höfen oder in abgeschiedenen Wäldern.

 

Landschaftlich spiegelt die Weg-des-Buches-Route das menschliche Leben wider: Die steilen Aufstiege und einsamen Pfade symbolisieren das Leben im Verborgenen, das dennoch nach Licht und Wahrheit strebt, die Weite der Almen und Stille der Wälder verkörpern gleichzeitig einen Resonanzraum für biblische Texte, in dem diese eine neue, erdige Relevanz erfahren. Während die schroffen und kargen Wände des Dachsteins Standhaftigkeit und Durchhaltevermögen einfordern, laden die sanften und grünen Kuppen der Nockberge zum befreienden Aufatmen ein. Wo früher unter Lebensgefahr die verbotenen Bücher transportiert wurden, können Pilgerinnen und Pilger heute einen modernen Zugang zu den Themen Widerstandskraft, Freiheit und Identität finden – und dabei entdecken, dass Glaube(n) Berge versetzen kann.

 

Eröffnet wurde der von der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich ins Leben gerufene Weg des Buches im Jahr 2008 – parallel dazu erschienen das Pilgerbuch „Der Weg des Buches“ mit ausführlichen Etappenbeschreibungen samt Bibelleseplan sowie der kultur-, kunst- und kirchengeschichtliche Führer „Das Buch zum Weg“.

Weg des Buches

Der Weg erstreckt sich über 705.5 Kilometer und dauert in der Regel 228 Stunden.
Er führt durch folgende Bundesländer: Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark.

1 Etappen

Pilgerbegleiter:innen Weg des Buches

Andrea Greinecker

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Monika Gschwandner-Elkins

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